Der Sommer gilt für viele Menschen als die schönste Zeit des Jahres.
Die Tage sind länger. Die Sonne scheint häufiger. Die Urlaubszeit beginnt. Überall entsteht das Bild von Leichtigkeit, Entspannung und guter Laune.
Umso verwirrender ist es für viele Menschen, wenn sie sich gerade in dieser Zeit plötzlich unruhiger, gereizter oder erschöpfter fühlen.
Vielleicht kennen Sie das:
Sie schlafen schlechter als sonst.
Sie sind schneller genervt.
Kleine Dinge bringen Sie aus dem Gleichgewicht.
Sie fühlen sich gleichzeitig müde und innerlich angespannt.
Oder Sie haben das Gefühl, dass Ihr Kopf einfach nicht mehr richtig zur Ruhe kommt.
Die meisten Menschen suchen die Ursache dann bei sich selbst.
Vielleicht liegt es am Alter. Vielleicht an zu viel Arbeit. Vielleicht fehlt einfach Urlaub.
Doch häufig gibt es noch eine andere Erklärung.
Für das Nervensystem bedeutet Sommer oft deutlich mehr Belastung, als wir vermuten.
Auf den ersten Blick klingt das widersprüchlich.
Schließlich verbinden wir Sommer mit Erholung.
Doch das Nervensystem bewertet nicht, ob etwas angenehm oder unangenehm ist. Es verarbeitet Reize.
Und genau davon gibt es im Sommer meist deutlich mehr.
Die Tage sind länger und heller. Dadurch bleibt das Gehirn länger aktiv. Viele Menschen gehen später ins Bett oder schlafen weniger tief.
Gleichzeitig steigt oft die Zahl der Termine.
Sommerfeste, Ausflüge, Urlaubsplanungen, Familienaktivitäten oder Treffen mit Freunden sorgen für zusätzliche Reize und Anforderungen.
Hinzu kommen höhere Temperaturen.
Wärme bedeutet für den Körper zusätzliche Arbeit. Die Temperaturregulation benötigt Energie und kann insbesondere bei empfindlichen Menschen das Gefühl von Erschöpfung verstärken.
Auch die Sinnesorgane haben im Sommer mehr zu verarbeiten.
Mehr Licht, mehr Geräusche, mehr Menschen, mehr Aktivitäten.
Während wir all das bewusst oft als angenehm erleben, arbeitet das Nervensystem im Hintergrund auf Hochtouren.
Deshalb berichten viele Menschen gerade im Sommer von Beschwerden wie:
- innerer Unruhe
- schlechterem Schlaf
- Konzentrationsproblemen
- Gereiztheit
- schneller Erschöpfbarkeit
Der entscheidende Punkt ist dabei:
Das Nervensystem braucht nicht nur positive Erlebnisse.
Es braucht auch Phasen, in denen keine neuen Reize verarbeitet werden müssen.
Genau diese Phasen fehlen jedoch häufig.
Viele Menschen nutzen jede freie Minute für weitere Aktivitäten und wundern sich anschließend, warum sie sich trotz Sommer nicht erholt fühlen.
Dabei reichen oft schon kleine Veränderungen, um das Nervensystem spürbar zu entlasten.
Planen Sie bewusst reizarme Zeiten ein.
Gehen Sie gelegentlich ohne Handy spazieren.
Nutzen Sie feste Abendrituale, damit Ihr Gehirn erkennen kann, dass der Tag langsam endet.
Achten Sie besonders an warmen Tagen auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.
Und erlauben Sie sich auch einmal, nicht jede freie Stunde zu verplanen.
Denn Erholung entsteht nicht automatisch durch Sommer, Urlaub oder schönes Wetter.
Erholung entsteht dann, wenn das Nervensystem die Möglichkeit bekommt, zwischendurch wieder herunterzufahren.
Welcher Sommerstress belastet Sie persönlich am meisten?
Sind es die vielen Termine? Die Hitze? Der schlechtere Schlaf? Oder das Gefühl, ständig etwas unternehmen zu müssen?
Im nächsten Beitrag der Serie „Energie & Nervenstärke“ schauen wir uns an, warum Stress und Erschöpfung häufig gleichzeitig auftreten und weshalb sich viele Menschen trotz Müdigkeit oft nicht einfach ausruhen können.
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